Aus Porschering 7 wird Süderstraße 6: Das Technische Hilfswerk (THW) Kaltenkirchen hat an diesem Standort einen neuen Ortsverband erhalten. Der Neubau besteht aus einem zweigeschossigen Ortsverbandsgebäude sowie einer Fahrzeughalle. Für die mehr als 70 ehrenamtlichen Einsatzkräfte und rund 30 Mitglieder der THW-Jugend bedeutet der neue Standort moderne und funktionale Räumlichkeiten, die den wachsenden Anforderungen im Einsatz- und Ausbildungsbetrieb gerecht werden. Im Rahmen des Projekts wurde die Open-BIM-Methodik im Bundesbau angewendet. Die GMSH übernahm dabei sämtliche Planungsdisziplinen, stellte das BIM-Management und verantwortete die Gesamtkoordination.
Moderne Räumlichkeiten für Ausbildung und Einsatz
Das Hauptgebäude verfügt über Umkleideräume, Nass- und Technikbereiche. Im Erdgeschoss befindet sich ein Werk- und Übungsraum mit direktem Zugang zum Vorplatz, sodass Übungen praxisnah durchgeführt werden können. Im Obergeschoss sind Büros sowie Schulungs- und Aufenthaltsräume untergebracht. Auf dem Gelände entstand außerdem eine Fahrzeughalle mit insgesamt elf Stellplätzen für Einsatzfahrzeuge mit einer Länge von bis zu 18 Metern. Neun Stellplätze befinden sich in der Halle, zwei weitere unter einem Schleppdach. Ergänzt wird die Ausstattung durch eine Inspektionsgrube, einen Waschplatz sowie Lagerflächen für Gefahrstoffe und die Ausrüstung der einzelnen THW-Fachgruppen.
Neubau als BIM-Pilotprojekt
Nach rund zwei Jahren Bauzeit inklusive Grundstücksvorbereitung, Ausschreibungszeiten für die Gewerke und zwei Schlechtwetterphasen konnte der Neubau an das Technische Hilfswerk Kaltenkirchen, im Mai 2026, übergeben werden.
Das Projekt wurde als BIM-Pilotvorhaben im Bundesbau umgesetzt. Der Neubau wurde von Beginn an bis zum Abschluss der Planung und dem Start der Ausführung auf Grundlage der BIM-Methodik entwickelt. In der anschließenden Bauphase wurde die Maßnahme konventionell realisiert.
Aufgrund seiner Größe und Komplexität eignete sich der Neubau besonders gut, um digitale Planungsprozesse zu erproben und weiterzuentwickeln. Im Projektverlauf konnten umfangreiche Erfahrungen im Umgang mit digitalen Planungsmethoden und der Nutzung eines 3D-Informationsmodells gesammelt werden. Für die Arbeiten auf der Baustelle wurde zudem ein Baucontainer mit Zugang zum GMSH-Netzwerk und WLAN eingerichtet, sodass digitale Modelle direkt vor Ort genutzt werden konnten.
Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeitsaspekte wurden bei der Planung und Umsetzung besonders berücksichtigt. Das Ortsverbandsgebäude entspricht aktuellen energetischen Standards und wird über eine Luft-Wasser-Wärmepumpe beheizt. Der jährliche Primärenergiebedarf liegt bei rund 52 kWh/(m²a).
Die Fahrzeughalle wurde in Stahltragwerksbauweise errichtet und mit einem Gründach inklusive Photovoltaikanlage ausgestattet. Diese unterstützt die Eigenstromversorgung des Standorts.
Kunst am Bau
Für den neuen Standort haben wir zudem einen Wettbewerb „Kunst am Bau“ durchgeführt. Im Februar 2024 wurde die Idee mit dem Titel „Spuren“ von Nana Schulz als Siegerentwurf gekürt. Das Kunstwerk wurde als Malerei im Treppenhaus realisiert und stellt stilisierte Reifenmuster eines Teleladers kreuz und quer über Wände sowie die Decke dar. Die Farben Blau, Violett und Gelb sollen die nächtlichen Einsätze abbilden. Ein tiefes Blau steht für die Uniformen der THW-Einsatzkräfte und ein leuchtendes Gelb für die Reflektorstreifen. Um möglichst realistische Spuren an die Wände zu bringen, wurden vor Ort die exakten Reifenspuren am Profil des hauseigenen Teleladers abgenommen. Vertiefende und persönliche Erläuterungen des Entwurfs von Nana Schulz finden Sie auf der Webseite der Bundesanstalt für Immobilien.
- Baukosten
- geschätzt ca. 4 Millionen Euro
- Nutzfläche
- Ortsverbandsgebäude: 758 m² Fahrzeughalle: ca. 960 m²
- Geschosse
- 2
Projekthistorie
08.02.2018
Planungsbeginn
19.12.2023
Spatenstich
05.02.2024