Visualisierung Forschungsneubau
Zur Förderung der Biodiversität werden Teile der Fassade begrünt. © Hammeskrause Architekten bda

03.07.2023

Grundstein für ein neues Zuhause für die Kieler Evolutionsforschung gelegt

Die Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH) errichtet ein neues zukunftsweisendes Evolutionsforschungszentrum für die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Das Center for Fundamental Research in Translational Evolutionary Biology (CeTEB, Deutsch: Zentrum für Grundlagenforschung in der Translationalen Evolutionsbiologie) wird auf 4.850 Quadratmetern Raum für rund 140 Forschende und Mitarbeitende in zunächst zwölf Arbeitsgruppen bieten. Land und Bund investieren zusammen mehr als 58 Millionen Euro in das CeTEB, das mit hochmodernen Laboren, Büros und Tagungsräumen eingerichtet wird. Mit seinem flexiblen Raum- und Nutzungskonzept ermöglicht das CeTEB eine Weiterentwicklung für neue Forschungsprojekte, die gleichermaßen langfristig und agil ist. Heute (3. Juli 2023) legten das Land, die GMSH, die CAU und die Stadt Kiel gemeinsam den symbolischen Grundstein für den Neubau. An der Feierlichkeit nahmen Finanzministerin Monika Heinold, Wissenschaftsministerin Karin Prien, GMSH-Geschäftsführer Frank Eisoldt, CAU-Vizepräsident Prof. Dr. Markus Hundt und Kiels Baudezernentin Doris Grondke teil. Die Fertigstellung des Neubaus ist für Herbst 2026 geplant.

Zur Finanzierung des Bauprojekts betonte Finanzministerin Monika Heinold: „Bund und Land tragen die Gesamtkosten von rund 58 Mio. Euro fair zur Hälfte. Wir investieren in ein modernes und zukunftsfähiges Forschungszentrum in Schleswig-Holstein, das bundesweit Strahlkraft hat. Dabei bauen wir als Land stets nachhaltig und ressourcenschonend, um unsere Klimaziele zu erreichen.“

Wissenschaftsministerin Karin Prien sagte: „Das neue Evolutionsforschungszentrum ist ein weiterer Leuchtturm für die zukunftsweisende Qualität des Wissenschaftsstandortes Schleswig-Holstein. Es hat seinen Schwerpunkt in der Evolutionsmedizin, geht aber gezielt darüber hinaus und überträgt die Konzepte auf Themen der Nahrungsmittelproduktion. Ein hochmoderner Forschungsbau, der – auch in seiner Architektur – Kooperation, Kommunikation und Forschungsnetzwerke in den Mittelpunkt stellt. Das Ganze wird seinen Platz haben im Wissensquartier Kiel. Science.City, das wir als Landesregierung mitfinanzieren.“

Das CeTEB ist der erste Baustein für die Umsetzung des Rahmenplans für den Bremerskamp, den die GMSH 2020 gemeinsam mit Vertretern vom Land, von der CAU und von der Stadt erarbeitet hatte. 

„Auf dieser rund zehn Hektar großen Entwicklungsfläche auf dem CAU-Campus werden wir in den nächsten zehn Jahren ein lebendiges, modernes Wissenschaftsquartier schaffen“, sagte GMSH-Geschäftsführer Frank Eisoldt. „Dafür ist das markante CeTEB-Gebäude ein exzellenter Auftakt. Mit seiner Grünfassade und einer hochmodernen Gebäudetechnik verkörpert es nachhaltige Standards für interdisziplinäre Forschung und Lehre.“

„An der CAU hat sich in den vergangenen Jahren ein bundesweit einzigartiger Hotspot der Evolutionsforschung entwickelt, der eine einmalige Vielfalt an Forschungsverbünden und Kooperationspartnern und ein besonders umfangreiches Themenspektrum bietet. Der Bau des CeTEB ist nun die logische Folge dieser für die Kieler Universität höchst erfreulichen Entwicklung. Künftig wird das neue Zentrum ein weithin sichtbares Zeichen setzen für diesen exzellenten Erfolg der Evolutionsforschenden innerhalb des CAU-Forschungsschwerpunkts Kiel Life Science“, betont Prof. Dr. Markus Hundt, CAU-Vizepräsident für Studium und Lehre.

Kiels Baudezernentin Doris Grondke sagte: „Mit dem CeTEB entsteht ein hochmodernes Forschungsgebäude, das nebenbei auch noch unter Nachhaltigkeit-Aspekten geplant ist. Es ist somit in mehrfacher Hinsicht ein absoluter Gewinn und erst der Anfang eines neuen attraktiven Hochschulquartiers, von dem die CAU und die Landeshauptstadt sicherlich enorm profitieren werden. Dieser Grundstein ist ein echter Meilenstein.“

Das nachhaltige Gebäudekonzept für den viergeschossigen Forschungsneubau erlaubt eine flexible Nutzung und eine langfristige Weiterentwicklung. Es besteht aus einem Laborbereich und einem Atrium. Jedes Geschoss umfasst zwei 400 Quadratmeter große Laborcluster, die mit Büros, Funktionsräumen und einer Dokumentationszone ergänzt werden. Über die großzügigen Verglasungen im Innern sowie Fassaden und Glasdach über dem Atrium wird das Gebäude nachhaltig mit Tageslicht versorgt. Im Eingangsbereich entsteht eine Freitreppe, die den informellen, spontanen Austausch fördert. Für den Neubau wird eine Silber-Zertifizierung nach dem Bewertungssystem für nachhaltiges Bauen (BNB) angestrebt.

Translationale Evolutionsforschung zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen

Die neuen Räume und Infrastrukturen bilden künftig den Rahmen für die Kernaufgabe des CeTEB: Die Kieler Forschenden wollen Erkenntnisse aus der Evolutionsbiologie nutzen, um nachhaltige Strategien zur Lösung aktueller Probleme in Medizin, Umweltschutz und Nahrungsmittelproduktion zu entwickeln – zum Beispiel im Kampf gegen Antibiotikaresistente bakterielle Krankheitserreger oder die schnelle Ausbreitung von Pestizidresistenzen bei Pflanzenschädlingen in der Landwirtschaft. Evolutive Prozesse spielen eine zentrale Rolle bei der Entstehung dieser und anderer Probleme, werden bislang in Wissenschaft und Praxis aber kaum beachtet. Die Forschenden im CeTEB wollen dies bei der Entwicklung von Lösungsstrategien künftig ändern und dabei die Prinzipien der sogenannten Evolutionären Rettung (Englisch: Evolutionary Rescue), der Anpassung von Arten an drastische Umweltveränderungen auf dem Wege der natürlichen Selektion, zugrunde legen.

Um diese evolutionsbiologische Perspektive zu fördern, bemüht sich das Kiel Evolution Center (KEC) an der CAU seit einigen Jahren erfolgreich darum, alle relevanten Forschungsinitiativen im Kieler Raum zu bündeln. Inzwischen sind diese in mehreren Großforschungsprojekten und Zentren zusammengeschlossen, unter anderem unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Evolutionsbiologie in Plön, des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel oder des Forschungszentrums Borstel – Leibniz Lungenzentrum (FZB). Unter dem Dach des CeTEB sollen ihnen künftig ideale Forschungs- und Arbeitsbedingungen zur Weiterentwicklung ihrer Forschungsvorhaben und der Konsolidierung ihrer Führungsrolle in der Evolutionsforschung zur Verfügung stehen.

„Unser neuer Forschungsbau ist Ergebnis und Bestätigung unserer jahrelangen intensiven Bemühungen um die Vernetzung und Weiterentwicklung der Evolutionsforschung am Standort Kiel“, betont KEC-Sprecher Professor Hinrich Schulenburg, designierter Leiter des CeTEB. „Dass das CeTEB nun Gestalt annimmt, belohnt uns für dieses Engagement und erlaubt es, unsere herausragende Rolle als bundesweiter Schwerpunktstandort in der Evolutionsforschung weiter auszubauen“, ergänzt Professorin Eva Stukenbrock, künftige Vize-Sprecherin des Zentrums.
 

Angaben zum Gebäude

Bauherr: Land Schleswig-Holstein
Bauherrenvertretung: Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR
Architekt: Hammeskrause Architekten bda
Gesamtkosten: mehr als 58 Millionen Euro
Baubeginn: Januar 2023
Fertigstellung: voraussichtlich Herbst 2026
Nutzfläche: ca. 4.850 Quadratmeter
Gebäudegrundriss: 57 x 51 Meter
Anzahl der Geschosse: vier

 

Über das KEC

Das Kiel Evolution Center (KEC) als interaktive Wissenschaftsplattform an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) setzt sich zum Ziel, Evolutionsforscherinnen und -forscher in der Region Kiel besser zu koordinieren. Daneben sollen unter dem Schlüsselbegriff „Translationale Evolutionsforschung“ gezielt Brücken zwischen Grundlagenforschung und Anwendung geschlagen werden. Neben der Förderung der Wissenschaft stehen ausdrücklich auch Lehre und Öffentlichkeitsarbeit im Fokus des Kiel Evolution Center. Daran beteiligt sind neben der CAU auch Forschende vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, dem Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön (MPI-EB) und dem Forschungszentrum Borstel (FZB), Leibniz-Zentrum für Medizin und Biowissenschaften.

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Businessportrait von Barbara Müller. Sie ist Leiterin der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit.

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